ANITA BERBER RETRO/PERSPEKTIVE

ANITA BERBER RETRO/PERSPEKTIVE - Ein Tanzfonds Erbe Projekt

Die ANITA BERBER Produktion wurde in der Kritiker Umfrage der Zeitschrift “TANZ” von Renate Klett unter der Kategorie “Bester Choreograph” genannt: ”Martin Stiefermann mit MS Schrittmacher für sein Tanzfonds Erbe Programm zu Anita Berber mit Aufführung, Buch, Diskussion und Dokumentation”

Außerdem wurde Maria Walser  in Anita Berber von Hartmut Regitz als “Hoffnungsträgerin 2015″ benannt.
“Ganz geweisst erscheint am Ende ihr Gesicht. Blutrot die Lippen, gespitzt wie auf dem Bildnis von Otto Dix. Aber Maria Walser schminkt sich die “Anita Berber” nicht einfach an. Vielmehr verkörpert sie ihren Aspekt einer dreifach aufgefächerten Bühnenpersönlichkeit in der RETRO/PERSPEKTIVE von Martin Stiefermann in seiner ganzen Ambivalenz. Ichbezogen bis zum Exzess, lässt sie dennoch eine Verletzlichkeit ahnen, die ihr zuletzt zum Verhängnis wird. Kraftvoll, ja nachgerade obsessiv hämmert sich die Berber der Maria Walser in den Boden ein, als wollte sie sich selbst zerstören und sich zugleich festnageln in die Erinnerung der Anderen.”
Anita Berber, Tanzikone der zwanziger Jahre, kennen die meisten heute nur noch von ihren Skandalen, Rosa von Praunheims Film oder dem morbiden Portrait, das Otto Dix von ihr malte. Dabei war Anita Berber in den goldenen Zwanzigern ein über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Star. Wie keine andere hat sie die Sichtweise ihrer Zeit gebrochen und damit ihr Publikum auf die Probe gestellt. Gehasst und geliebt von der Öffentlichkeit setzte die Sacchetto-Schülerin ihre Themen mit technischer Perfektion immer radikaler um.

MS Schrittmacher begeben sich in ANITA BERBER – RETRO/PERSPEKTIVE auf die verlorene Spur der Tänzerin und Choreographin. Anita Berbers Werk jenseits der Skandale steht dabei im Vordergrund des umfangreichen Recherche- und Rekonstruktionsprojektes, dessen Ergebnisse vom 18.06 bis 29.6. im Kunstquartier Bethanien gezeigt werden.

MS Schrittmacher erforschen die Welt der Anita Berber aus tänzerisch/choreographischer Sicht, spüren ihrer künstlerischen Handschrift, sowie ihrer Arbeitsweise nach und nähern sich so ihr selbst.

Neben der Sichtung biographischer Literatur, fachspezifischem und zeitgenössischen Schriftgut der 20er Jahre, stützt sich die Recherche auf das Deutsche Tanzarchiv in Köln und das Anita Berber Archiv in Berlin, wo Martin Stiefermann den schmalen Band „Anita Berberová – Studie“ des tschechischen Choreographen und Autors Joe Jenčík entdeckte.
Dieser beschreibt in einzigartig genauer sowie emotionaler Weise Dramaturgie und Wirkung der Berberschen Choreographien. MS Schrittmacher veröffentlichen Jenčíks Studie aus dem Jahr 1930 im Rahmen von ANITA BERBER – RETRO/PERSPEKTIVE erstmalig in deutscher Sprache.

Mit Jenčíks Studie als Grundlage rekonstruiert der Choreograph Martin Stiefermann gemeinsam mit der Tänzerin Brit Rodemund ausgewählte Soli der Anita Berber. Ziel ist es, dem originären Werk der Berber und ihrer künstlerischen Radikalität, mit einem Blick von Heute, so nah wie möglich zu kommen. Nach der erfolgreichen Präsentation erster Ergebnisse dieser Arbeit im Januar 2014 entwickeln Martin Stiefermann und Brit Rodemund ihre Rekonstruktionsarbeit zu Anita Berber weiter und zeigen diese in einer weiteren Lecture Performance im Kunstquartier Bethanien, Anita Berbers Sterbeort.

Basierend auf diesen Rekonstruktionsresultaten entwickeln MS Schrittmacher mit drei Tänzerinnen/Schauspielerinnen eine Tanzperformance, welche das Schaffen und die Arbeitsweise der Tänzerin und Choreographin Anita Berber in den Mittelpunkt stellt. Zitate von Zeitzeugen, Zeitungsartikel und Rezensionen berichten von dem pulsierenden, ruhelosen Dasein Anita Berbers, dass keine Grenzen kannte und dessen Erlebnisse die Tänzerin unmittelbar in Bewegung und Tanz umsetzte. Anita Berber als kunstvolles offenes Buch, ein getanztes Leben ohne Distanz.

Auch Anita Berbers umfangreiches Filmschaffen soll in der Retro/Perspektive gewürdigt werden. Hierfür haben MS Schrittmacher den für seine innovativen Stummfilm Live-Sets bekannten DJ D’dread gebeten den allerersten Episodenfim „Unheimliche Geschichten“, in dem Anita Berber sämtliche weibliche Hauptrollen spielte, zu vertonen und damit ins Heute zu holen.

Schließlich stellen MS Schrittmacher sich und anderen Kreativen im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Frage nach den Erben Anita Berbers. Wie sieht künstlerische Radikalität heute aus? Und wer sind ihre Protagonisten?
Die Autorin, Performerin und Mitherausgeberin des Missy Magazins, Margarita Tsomou, diskutiert mit den internationalen Performerinnen und Choreographinnen Beatrice Cordua, Nezaket Ekici und Florentina Holzinger.
Ein Blick zurück, nach vorn.

 

 VIDEOS 

Der Trailer zur Tanzperformance „Anita Berber – Sie Trägt die Nacktheit im Gesicht“ ist hier zu sehen.

Einen dokumentarischen Mitschnitt des Stücks kann man sich hier ansehen.

Eine Projektdokumentation der „ANITA BERBER-Rekonstruktionen“ ist unter folgendem Link verfügbar.

Zu Videomitschnitten der „Lecture Performance“ geht es hier.

 

 PRESSE 

“Cora Frost, Brit Rodemund und Maria Walser, die 90 Minuten alles geben – in einer Nummernrevue mal mit Witz, mal mit Pathos… Der wunderbar lässig, geschmeidig tanzenden Maria Walser, mit einem Blick ohne Angst und also zu allem fähig, der ist es zu glauben. Die Frost als bekiffte Diva, zu alt eigentlich für die drogensüchtige Anita, die mit 29 starb – egal: so einmalig lässig. Es lebe die genialische Geste!”    (Zitty / Berlin)

“Zehn Tage und fünf Formate, Film, Buch, DJ-Performance, Diskussion, die in Stiefermanns Stück “Anita Berber – sie trägt die Nacktheit im Gesicht” gipfeln; wobei die Skandalnudel von früher heute von gleich drei Darstellerinnen als Primadonna der Brüche und damit präzises Symbol ihrer Zeit verkörpert wird.
Es ist nicht das Konkrete, was hier wiederbelebt werden soll, das Ikonenhafte dieser Erscheinung wie die radikale Kunsttat wird weitergeschrieben, übermalt, neu formatiert. Denn immer noch strahlen Kugelmensch wie Koks-Diva in die Gegenwart aus. Was kann man von einstiger Tanzkunst mehr verlangen? So oder so hat damit der Tanzfonds Erbe seinen Zweck erfüllt.” (Die Welt)

“… die Nähe wirkt bestechend und erhöht die Sogwirkung des Stückes. Unterlegt ist die Performance mit elektronischen Klängen und Musik aus den zwanziger Jahren und verstärkt damit das Gefühl in einem Live-Film über Anita Berber zu sitzen. Empfehlung: hingehen und sich verführen und abstoßen lassen von der wilden Zeit der zwanziger Jahre und einer Frau die versucht hat mit Ihrer Kunst gegen die Sichtweisen ihrer Zeit anzukämpfen.”  (Unruhe im Oberrang / Theater Kritik Berlin)

„Die Choreografie von MS Schrittmacher, in Zusammenarbeit mit einem Beleuchter, der mit passenden analogen Mitteln arbeitete und einem Sounddesign, das sich hervorragend für diese hallenden Räumlichkeiten eignete, waren der Rahmen für ein Trio infernal, dessen Mischung grandios war.“ (Live Kritik)

 

 VERGANGENE VERANSTALTUNGEN 

ANITA BERBER – RETRO/PERSPEKTIVE
Ein TANZFONDS ERBE Projekt

Vom 18. bis 29. Juni 2014 im Kunstquartier Bethanien 

Anita Berber- Sie trägt die Nacktheit im Gesicht
Tanzperformance
Voraufführung 16. & 17.06.2014 jeweils um 19:00 Uhr
Uraufführung 18.06.2014 um 20.00 Uhr - ausverkauft!
20. & 21.06. / 25., 26., 27. & 28.06.2014 jeweils um 20.00 Uhr

„Anita Berber – Rekonstruktionen“
Lecture Performance in deutscher Sprache
Premiere 19. 06. 2014 um 20.00 Uhr
22.06.2014 um 18.00 Uhr, anschließend „Unheimliche Geschichten“
29.06.2014 um 18.00 Uhr, anschließend „Anitas Erben – Diskussionsforum zur künstlerischen Radikalität heute“

„Unheimliche Geschichten“
Filmvorführung mit Live DJ-Set mit D´dread
22.06.2014 um 20.00 Uhr

„Anitas Erben – Diskussionsforum zur künstlerischen Radikalität heute“
Diskussion mit den internationalen Performerinnen Nezaket Ekici, Beatrice Cordua und Florentina Holzinger.
Moderation: Margarita Tsomou
29.06.2014 um 20.00 Uhr

„Anita Berber – Studie“
Deutschsprachige Erstveröffentlichung von Joe Jenčíks Tanzschrift
19.06.2014 im Rahmen der Premiere der Lecture Performance

Die Performance ANITA BERBER – Sie trägt die Nacktheit im Gesicht gastierte am 14. und 15. Oktober 2015 am Saarländischen Staatstheater. Die ANITA BERBER – Lecture Performance wurde am 17. Oktober 2015 gezeigt. Beides im Rahmen von TANZ FESTIVAL SAAR

 

 TEAM 

  • Recherche, Rekonstruktion, Choreographie: Martin Stiefermann
  • Rekonstruktion, Tanz: Cora Frost, Brit Rodemund, Maria Walser
  • Recherche, Dramaturgie, Text: Hartmut Schrewe
  • Künstlerische Mitarbeit: Efrat Stempler
  • Ausstattung: Anike Sedello
  • Lichtdesign: Max Wikström
  • Musik: Albrecht Ziepert
  • Pianist: David Schwarz
  • Stummfilm-DJ: DJ D’dread
  • Diskussionsforum: Margarita Tsomou, Beatrice Cordua, Nezaket Ekici, Florentina Holzinger
  • Assistenz: Antje Rose
  • Mitarbeit Recherche: Johanna Withelm, Karolina Keller
  • Produktionsleitung: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro
  • Kommunikation: k3 berlin
  • Foto/Artwork: Andreas J. Etter
  • Grafik: Peter Junge
  • Social Media: Patricia Spies
  • Technik: Fabian Bleisch
  • Produktionsassistenz: Franziska Ruhnau
  • Ausstattungsassistenz: Jessica Schott
  • Hospitanz: Milen Zhelev
  • Projektleitung 2013: Matthias Püschner

 

Eine Produktion der ➔MS Schrittmacher
In Kooperation mit dem Anita Berber Archiv – Lothar Fischer, dem Mime Centrum / ITI und dem K. Kieser Verlag

Unterstützt von LICHTblick Bühnentechnik & DINAMIX
sowie den Medienpartnern Tanz, taz.die tageszeitung, Berliner Fenster und radio eins
Gefördert von TANZFONDS ERBE – Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes